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Der Norden scheint für immer verloren…

Ich muss laufen, immer weiter laufen durch das dichte Schneetreiben. Meine Füße sind taub und die Stiefel haben sich mit Wasser voll gesogen. Mein Körper funktioniert einfach nur noch, mein Geist ist immer noch kalt und erfroren. Doch die kleine Phiole um meinen Hals hält mich kärglich am Leben. In ihr glimmen einige Tränen der Sonne, ihre Magie hat mich in den letzten Tagen beschützt vor dem Zauber der Eishexe. Ihre Kraft ist nun beinahe aufgebraucht und ich will mir nicht ausmalen, wie lange sie mich noch vor der Kälte zu schützen vermag. Das Artefakt war meine Lebensversicherung auf Burg Norskall, spendete mir Wärme gegen das unbändige Eis des Drachen und den Einfluss der Eishexe. Jetzt ist seine Macht beinahe erloschen.

­Ich kämpfe mich weiter voran. Ich muss mein Ziel erreichen, das ist alles, was mich ausmacht. Die anderen müssen die Pläne der Eishexe erfahren. Mir war bewusst, dass es ein Himmelfahrtskommando sein würde. Spione nach Norskall leben gefährlich, nur die wenigsten kehren je zurück. Doch es war nötig. Jemand musste das Risiko auf sich nehmen und das Opfer bringen. Ich war bereit, mein Leben zu geben. Für das Gute. Für die Wärme. Für den Widerstand.

Ich glaube in der Ferne ein Licht zu sehen. Vielleicht irre ich mich und mein Geist spielt mir nur einen bösen Streich. Er will mir Hoffnung schenken. Meine Füße werden mit jedem Schritt schwerer. Ich muss durchhalten. Doch die Erschöpfung fordert ihren Tribut. Schon glaube ich wieder das Schnaufen der Wölfe in meinem Nacken zu hören. Oder das Knurren der Skalden, die im Schnee auf jeden lauern, der dumm genug ist, sich ihnen zu nähern. Ich habe jetzt keine Angst mehr. Meine Mission ist größer geworden als mein Sein. Ich muss die anderen erreichen. Sie müssen es wissen. Das ist alles, was zählt.

      

     
Die Nächte im Norden der Terra Incognita sind lang, düster und kalt. Als es in jenem Landstrich noch Menschen gab, saßen sie in diesen dunklen Stunden oft beisammen und die Alten erzählten finstere Legenden, die heute längst vergessen sind. Sie handelten von den Warven und den Skalden, die im Wald umher streunen, immer auf der Suche nach warmem Fleisch. Und von unheimlichen Wesen, die aus der Kälte geboren werden und die den Winter lieben, die aus ihm ihre Kraft ziehen. Jene Kreaturen sind finster wie die Winternächte und ebenso kalt und gefühllos ist auch ihr Streben. Vielleicht waren sie einst Menschen doch sie haben jede menschliche Regung für immer verloren und die Kälte ist ihr einziger Freund geworden. Sie folgen treu jenem, der die Kälte über das gesamte Land bringen will, so dass es für immer unter Eis und Schnee begraben liegt.


In jenen alten Geschichten keimt aber auch immer die Hoffnung auf den Frühling auf, der die Wärme zurück bringt. Viele handeln vom tapferen Helden Einar, der viele Abenteuer besteht. Einst fand er eine verborgene Höhle voller kostbarer Kristalle und kehrte als reicher Mann in sein Dorf zurück. Bald aber wurde sein Geist von einem seltsamen Schwermut befallen und Einar wollte erneut zur geheimen Höhle aufbrechen. Den anderen erzählte er, dass er etwas an jenem Ort zurück gelassen habe, was ihn nun nicht mehr los ließ. Schließlich brach er erneut auf, denn sein Geist schien mit jedem Tag ruheloser zu werden.


Einar kehrte nie wieder in sein Dorf zurück. Es war die letzte Reise des großen Helden…
   


„Dort, dort am Horizont, ist dort etwas…?“

Die beiden Wachmänner schauen sich kurz an, dann starren sie wieder gebannt in das Schneetreiben vor ihnen. Hier an diesem Ort ist jede Bewegung verräterisch, jedes Lebewesen eine Bedrohung. Niemand verirrt sich hierhin. Es ist ihr Rückzug, die letzte Bastion des Widerstands im Norden der Terra Incognita. Die Entlegenheit der Burg ist ihr einziger Schutz vor der sich ausbreitenden Kälte. Nicht auszudenken was geschehen würde, wenn der Feind sie finden würde…

Die Bewohner der Burg erwarten nur einen. Doch ob dieser jemals zurückkehren wird ist ungewiss. Es gibt jene, die behaupten, man müsse andernorts nach Hilfe rufen. Doch welche Hilfe soll dies sein? Und die Geheimhaltung des Ortes hierfür aufgeben? Wäre es das wert…?

Doch…“ spricht der Ältere von beiden über den Wind hinweg aber sein Gegenüber kann ihn nicht hörem.

„Ich glaube, da ist tatsächlich etwas…“

 


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