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Lagerfeuergeschichten in dunklen Herbstnächten…

»Die Abendsonne senkt sich schwer über den sich verdunkelnden Wald. Die Geräusche des Tages verstummen und die Kreaturen der Nacht erwachen.

Ich weiß, dass wir vorsichtig sein müssen, denn hier in der Terra Incognita ist man im Wald, fernab der Städte und Siedlungen niemals sicher. Vielerorts gibt es Kämpfe, marodierende Orks ziehen über das Land und sorgen für Angst und Schrecken, Sichtungen von Dämonenhorden sind nicht selten. Wir sind daher auf der Hut, als wir erschöpft von der langen Tagesetappe unser Lager aufschlagen.

Die Nacht bricht schleppend herein. Wie ein lebendiges Wesen breitet sich die Dunkelheit aus und verschluckt alle Konturen.

Ich habe die erste Nachtwache, während meine Kameraden zusammengekauert um das Lagerfeuer liegen. Meine Sinne sind angespannt doch nach einer Stunde entspanne auch ich mich etwas und lehne mich erschöpft mit dem Rücken an den Stamm eines Baumes. Stille umgibt mich. Plötzlich erzittert der Boden um mich herum. Ich höre ein Schnauben und Ächzen, das Geräusch von aufgeworfener, nasser Erde. Ein fauliger, ekelhafter Gestank steigt mir in die Nase. Ich will aufspringen doch irgendetwas hält mich umklammert. Wie aus dem Nichts sind knochige Hände aus der Erde gewachsen und greifen nach mir. Ich kann mich nicht mehr bewegen und will schreien doch aus meiner Kehle dringt nur ein krächzendes Stöhnen. Etwas schnürt mir die Kehle zu, ich bekomme keine Luft mehr. Mit einem Krachen fällt über mir ein Körper aus der Krone des großen Baumes und kommt wenige Zentimeter vor dem Boden mit einem Ruck zum stehen. Ein verdrehter Körper baumelt zappelnd und zuckend im Todeskampf an einem Seil, die Augen im Kopf der Frau quellen hervor, das Gesicht blau angelaufen.

Meine Kameraden sind aufgesprungen, um uns zu verteidigen doch das Grauen ist überall. Am Rande des Lagers erblicke ich eine Gestalt in einer Henkersmaske und einem Richtbeil, daneben ein Mann mit einem mächtigen Buch in der Hand. Ein Untoter ohne Kopf wankt auf mich zu, gefolgt von einer Wasserleiche, ihre nassen Haare kleben wirr am aufgedunsenen Gesicht. Noch im selben Augenblick übermannt mich die Dunkelheit…«

„Diese Geschichte ist niemals so passiert!“, schnaubt dein Kamerad und nimmt einen weiteren Schluck aus seinem Becher. Auch die anderen deiner Gefährten blicken dich skeptisch an.

„Doch, genau so soll es passiert sein,“ beteuerst du.

Ihr sitzt gemeinsam um das knisternde Lagerfeuer im Wald, während die Geräusche des Tages langsam verstummen und die Kreaturen der Nacht irgendwo dort draußen erwachen. Es ist eine bedrohliche Stille hier im Wald und deine Geschichte sollte die anderen eigentlich erheitern und vielleicht auch ein wenig erschrecken. Jetzt hat sie aber eher dazu beigetragen, dass sie dich für einen Lügner und Schwätzer halten. Du hast die Erzählung in einer Taverne gehört und der Mann, der sie erzählte, wirkte keinesfalls wie ein Aufschneider. Ihm war während der Schilderung das Grauen jener Nacht noch immer ins Gesicht geschrieben. Du hast gegenüber deinen Kameraden wohlweislich nicht erwähnt, dass jene schaurige Begebenheit sich sogar hier in der Gegend zugetragen haben soll.

„Ich lege mich jedenfalls jetzt hin und haltet bloß ab jetzt die Klappe“, sagt dein Kamerad und lässt sich mit einem Seufzer auf sein Lager fallen. „Morgen werden wir auf der Burg ankommen, geben die Lieferung ab und machen uns sofort wieder auf. Ich habe jedenfalls keine Lust auf noch eine Nacht in diesem verdammten Wald…“Stille senkt sich über das Lager, als der Rest der Truppe sich hinlegt. Du hast die erste Nachtwache und lehnst gegen einen dicken Baum.

Nach einiger Zeit fallen dir die Schemen der Bäume um dich herum auf, die seltsame Formen zu haben scheinen. Ist dies dort nicht eine Gestalt mit einer Henkersmaske…? Aber vielleicht spielt dir deine Phantasie auch nur einen Streich. Du ahnst schon, dass dies eine lange, ungemütliche Nacht werden wird und du bereust es, dass du dem Mann in der Schänke überhaupt Gehör geschenkt hast…

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