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Ein Schatten über Elanor

Die Elbin hatte sie schon vor einer guten halben Stunde bemerkt, als sie die Ausläufer der Wälder von Elanor passierte. Ihre scharfen Sinne hatten die Veränderung sofort wahrgenommen: ein leicht fauliger Geruch, der unangenehm in der erwärmten Herbstluft schwebte. Jener Ort, der normalerweise Frieden und Harmonie ausstrahlte, fühlte sich heute anders an, bedrohlich und unsicher.
Sie hatte ihr Tempo beschleunigt, war schließlich in einen leichten Laufschritt verfallen, hatte Bögen geschlagen und gehofft, sie so abzuschütteln. Aber noch immer nahm sie aus den Augenwinkeln in der Ferne eine schwache Bewegung wahr. Es waren nicht dieselben, die sie zu Beginn gesehen hatte, es waren andere. Aber auch sie blieben ihr auf den Fersen. Aus dem nassen Laubboden waren sie wie Geister auferstanden.
Wie konnte das alles sein?
War der uralte Schutz erloschen?
Sollte sie im „Herzen des Waldes“ Zuflucht suchen oder war auch dieses nicht mehr sicher?


Die Zeit der Wiederkehr

Durch den andauernden Laufschritt standen ihr Schweißperlen auf der Stirn und dennoch waren ihre Bewegungen noch immer lautlos und geschmeidig. Sie kannte jeden Baum, jeden Bachlauf und jede Erhebung hier, doch all das würde ihr nicht helfen, ihre Verfolger abzuschütteln.
Die Burg und der Schrein, schoss es ihr durch den Kopf. Sie sind meine Rettung.
Jetzt im Herbst fand die jährliche „Zeit der Wiederkehr“ statt, in der der Verstorbenen gedacht wurde. Jener, von deren grausamem Schicksal alte Sagen aus längst vergangenen Tagen kündeten. Eigentlich ein Fest, zu dem sich viele Gesandtschaften unterschiedlicher Rassen und Völker aufmachten und ihre Ehrerbietung darboten.
Hatten sie auch bereits die Veränderung im Wald von Elanor bemerkt?
Oder waren sie noch ahnungslos?
Das Herz des Waldes

Jetzt rannte sie fast, um so schnell wie möglich den Rand des Waldes zu erreichen. Sie kannte den Weg. Schließlich durchbrach sie das Unterholz und die warme, goldene Herbstsonne schien ihr ins Gesicht und ließ sie blinzeln. In der Ferne lag die Burg. Die Elbin erahnte bereits deren bunte Wimpel und dennoch bemerkte sie einen schwarzen Schatten über dem Tal, der alles belauerte.
Da begriff sie.
Es ging nicht um die Burg.
Nicht um die Toten.
Nicht einmal um die Zeit der Wiederkehr.
Es ging um das Herz.


"Solange ihre Namen gesprochen werden, kehren die Toten niemals ganz in die Dunkelheit zurück."

Im Westen der Terra Incognita wird auf Burg Elanor jährlich die „Zeit der Wiederkehr“ gefeiert. In einem andächtigen Fest erinnert man sich an die Toten aus längst vergangenen Zeiten, die im angrenzenden Wald ums Leben gekommen sind. Von ihrem eigentlichen Schicksal künden alte Legenden, die von großen Völkerschlachten und Verrat handeln und die alle unterschiedlich sind.
Elanor ist ein Ort des Friedens und des stillen Gedenkens und dennoch gerade im Herbst ein Ort der Einkehr und des Austauschs. Viele Völker und Gruppierungen schicken kleinere Gesandtschaften, um ihre eigenen Riten des Gedenkens zu vollziehen und ihre Ehrerbietung zu zeigen.
Deine Reise nach Elanor
Auch du bist auf dem Weg zur Burg. Vielleicht kommst du, um der Verstorbenen zu gedenken. Vielleicht begleitest du eine Gesandtschaft deines Volkes. Vielleicht haben dich die alten Geschichten neugierig gemacht. Oder vielleicht suchst du etwas, über da in Elanor nu hinter vorgehaltener Hand gesprochen wird.
Was auch immer dich hierher führt: Du erreichst das Tal zu einer Zeit, in der alte Legenden plötzlich wieder erschreckend lebendig wirken. Die Wälder verändern sich. Die Toten ruhen nicht mehr so still wie einst. Und irgendwo zwischen Burg, Schrein und den uralten Bäumen wartet eine Wahrheit darauf, entdeckt zu werden.
Die Zeit der Wiederkehr hat begonnen.




















